Witches could redeem themselves if they stood under a bridge as soon as a baptised child was carried over it. After 14 years, the child became either a witch or a sorcerer; she herself was redeemed, but still had to hold a meeting with the devil on the last visited dance floor.
A respectable maiden of Vättis had been turned into a witch by an old woman. No one knew this. She was asked to be godmother. She gladly accepted, for she knew that she could be saved if the person to be baptised was six years old and if he obeyed her unconditionally for 14 minutes, in honour of the 14 helpers in need.
She joined the monks as a cook at the Hof Ragaz. Here she was safe from the devil’s persecution.
When the boy grew up, he often went out to Ragaz to fetch flour and the like. Each time he stopped at his godmother’s, who always had a good bite ready for him. Afterwards, she accompanied him a short distance, and when they parted, she would say: “Dear Godson, if I ever give you a drink, you’ll do it for my sake, won’t you?” “Yes, yes,” he answered.
When the boy was six years old, she said to him, “I will catch up with you before you get to the Vättnerberg.” When he was resting on the cow pasture (in the alp Findels), he saw his Godmother coming up three quarters of an hour below him over the so-called “Ruchbödeli“. In a short time she was with him. She said: “If you don’t keep your word, a great misfortune will happen; it will affect me and you. You must do what I tell you.”
Then she placed him on a flat place by the path, drew three circles around him and began again: “I am cursed and cannot be blessed without your help, you must stand in these circles for 14 minutes. After this time you will see a white dove flying over you towards the Vättnerberg. That is me. But during this time do not leave the rings, whatever may come. Defend yourself with your staff. Wild beasts of all kinds will rush against you, but none will cross the circles. The Vättnerbergers will come and want to lure you out of the circles; do not follow them! At last your parents will appear and ask you to come with them; do not obey them, whatever they may say; it would be to our harm. Now hold out!” The godmother disappeared. A raven flew up in the immediate vicinity.
There was movement in the nearby copse. Wild animals of all kinds leapt at the boy with bared teeth, but he defended himself with his stick. They came right up to the outermost ring, but returned again with a snarl. For a moment everything remained silent. Then the Vättnerbergers came along with their bundles; they explained that all the buildings had been burnt. They had decided to move out; his parents were waiting for him a little way up the road. He refused to follow them.
With difficulty and heavy loads, his own people came in a short time and asked him to help them. He alone remained faithful to his promise. Now the dove flew by, and thus the work was done.
L. Jäger
243. Die Erlösung einer Hexe durch ihren Taufpaten.
Hexen konnten sich erlösen, wenn sie unter eine Brücke standen, sobald ein Täufling über diese getragen wurde. Aus dem Kinde wurde nach 14 Jahren entweder eine Hexe oder ein Hexenmeister; sie selber war erlöst, musste aber noch mit dem Teufel auf dem letztbesuchten Tanzboden eine Zusammenkunft halten.
Einer ehrsamen Jungfrau von Vättis war von einem alten Weibe die Hexe “angeworfen” worden.
Niemand wusste dieses. Sie wurde gebeten, Patin zu sein. Mit Freuden sagte sie zu; denn sie wusste, dass sie gerettet werden konnte, wenn der Täufling sechs Jahre alt war und er ihr 14 Minuten, zu Ehren der 14 Nothelfer, unbedingten Gehorsam leiste.
Sie trat bei den Klostermönchen als Köchin ein und versah diese Stelle im Hof Ragaz. Hier war sie vor den Nachstellungen des Teufels sicher.
Als der Knabe herauwuchs, wandelte er oft nach Ragaz hinaus, um Mehl und dergleichen zu holen. Jedesmal kehrte er bei seiner Patin ein, die immer einen guten Bissen für ihn bereit hatte. Nachher begleitete sie ihn eine kleine Strecke, und beim Abschiede sagte sie dann: “Gelt, Götti, wenn ich dich einmal etwas heisse, so tust du es mir zuliebe, nicht wahr?” “Ja, ja”, antwortete er.
Als der Knabe sechs Jahre alt geworden, sagte sie zu ihm: “Ich werde dich, bevor du auf dem Vättnerberge bist, einholen.” Als er auf dem “Küherbödeli” (in der Alp Findels) rastete, sah er seine “Gotta” drei Viertelstunden unter sich über das sogenannte “Ruchbödeli” heraufkommen. In einer kurzen Zeit war sie bei ihn. Sie sagte: “Wenn du nicht Wort hältst, geschieht ein grosses Unglück; mich und dich betrifft es. Du musst tun, was ich dir sage.”
Dann stellte sie ihn auf einen ebenen Platz am Wege, zog drei Kreise um ihn und begann wieder: “Ich bin verwünscht und kann nicht selig werden ohne deine Hilfe, Du musst 14 Minuten in diesen Kreisen stehen. Nach dieser Zeit wirst du eine weiße Taube über dich hin dem Vättnerberge zufliegen sehen. Das bin ich. Verlaß aber während dieser Zeit die Ringe nicht, was auch kommen mag. Wehre dich mit deinem Stocke. Es werden wilde Tiere jeglicher Art gegen dich heranstürzen; aber keines wird die Kreise überschreiten. Es werden die Vättnerberger kommen und dich aus den Kreisen herauslocken wollen; folge ihnen nicht! Endlich werden deine Eltern erscheinen und dich bitten, mit ihnen zu kommen; gehorche ihnen nicht, was sie auch sagen mögen; es wäre zu unserm Schaden. Jetzt harre aus!” Die Patin verschwand. Ein Rabe flog in nächster Nähe auf.
Da gab es Leben im nahen Gehölze. Mit fletschenden Zähnen sprangen wilde Tiere aller Art auf den Knaben los; doch er wehrte sich mit seinem Stocke. Bis an den äussersten Ring kamen sie heran, kehrten aber knurrend wieder zurück. Einen Augenblick blieb alles still. Dann kamen die Vättnerberger daher mit ihren Bündeln; sie erklärten, sämtliche Gebäude seien verbrannt. Man habe beschlossen, auszuziehen; seine Eltern warten auf ihn eine kleine Strecke weiter oben. Er weigerte sich, ihnen Folge zu leisten.
Mühsam und schwerbeladen kamen in kurzer Zeit auch die Seinen und baten ihn, Hilfe zu leisten. Allein er blieb seinem Versprechen treu. Jetzt flog die Taube vorbei, und damit war das Werk vollbracht.
L. Jäger.
