One afternoon in the Flums alp “Fursch“, the cattle and the Dairymen had come down from the upper to the lower ridges. The bullying dairyman had deliberately left his milking stool up there to annoy and frighten the good-natured but timid “Baschi” or cow boy.
Towards nightfall he ordered him to fetch the milking stool immediately. Without protest, but with a fearful heart, Baschi set off and arrived in the dark of night at the alpine hut of the upper ridge where he lay down to rest on the Tril (the sleeping place of the alpine farmhands), because he did not consider it necessary or advisable to return immediately. It was deadly quiet in and around the desolate, abandoned hut.
Then suddenly he heard a merry music outside and a noise and trampling as of a country dance. Then there was a heavy banging on the door of the hut, and at the same time several eerie figures, some of whom were still holding violins, entered the hut and made arrangements as if they wanted to make cheese.
Soon, however, one of these ghostly herdsmen shouted: “It’s not clean in the hut; I’d like to have some Minschäbluot!”[1] The Baschi had already hidden himself in the bed cover; he was shaking like a leaf and sweating with fear, but in the meantime he remained as quiet as a mouse. The ghost said again: “The one who is lying on the bed should come out and tell us with what he has to do; he will not be harmed!” [2].
Now the Baschi rose from his bed and stammered out, “I am only a poor Zwingnagel, and our dairyman has made me to fetch his milking stool in the night from here.”[3]
The spirit then said to him in a very friendly way that because he had spoken the truth, he could now learn a spell that grant him a wish. Encouraged, the Baschi expressed his wish to learn to play the violin as beautifully as he had just heard it. Immediately he received a splendid new violin, on which he had to practise so quickly until after midnight under the guidance and accompaniment of the other minstrels that he almost became dizzy. Then suddenly he was told: “Stop!” And all the ghosts disappeared. The Baschi was alone again, but the violin had remained with him.
Early in the morning he took it under his arm, hung the milking stool on his shoulder and returned to the “Stofel” (?) just as the dairymen were about to start milking.
The bullying Dairyman called out to him: “Come on, you glampätä Hösi!” [4] To appease him, the Baschi began to play the violin. But this caused no small spectacle. Cows and calves, sheep and pigs, everything that had life began to dance like mad and continued to dance as long as the violin sounded.
Only when the alpine dairyman could hardly breathe any more and urgently demanded silence, did the Baschi stop and explain how he had learned this magic overnight from some men in the Obersässhütte (Upper Ridge Hut) and had received the violin as a gift.
In the hope that he would certainly be able to learn and acquire something worthwhile, the Dairyman also hurried up to the Obersässhütte the next evening, but never returned, and when he was found, his body was torn into many pieces and hung from the “Gepsenlatten” .
J. Natsch.
Editor’s note: The quoted speech is in dialect:
[1] “Es ist nit suber in dr Hüttä; i gschmöggä Minschäbluot!”
[2] “Där, wo uf der Tril lit, söll ahä chu und mit Wohrheit sägä, was er do ztuä heb; es ward em dinn nüt Leids gschieh!”
[3] “Ich bi nu an armä Zwingnagel, und üsärä Senn hat mi gnötiget, no in dr Nacht vu do si Mälchstuohl z’ holä.” A “Zwingnagel” is someone who is a nuisance because of incessant whining.
[4] “Chunnst indli ämol, du glampätä Hösi!”
“Gepsenlatten” – some kind of frame or lattice?
Photo: Flumserberg, Feb 2023
312. Der Zwingnagel
Man war in der Flumser Alp “Fursch” eines Nachmittags mit dem Vieh und den Sennereigeratschaften aus dem obern auf den untern Sass herabgezogen. Der rohe Senn hatte absichtlich seinen Melkstuhl oben zurückgelassen, um den gutmütigen, aber furchtsamen “Baschi” oder Küherbuben damit zu ärgern und zu ängstigen.
Gegen Zunachten befahl er diesem, den Melkstuhl sogleich zu holen. Ohne Widerrede, aber mit bangem Herzen machte sich “Baschi” auf den Weg und kam in dunkler Nacht zur Sennhütte des obern Sässes, in welcher er sich auf die “Tril” oder auf die Schlafstätte der Alpknechte zur Ruhe legte, weil er es weder für notwendig noch für ratsam hielt, sogleich zurückzukehren. Es war totenstill in und um die öde, verlassene Hütte.
Da plötzlich vernimmt er eine lustige Musik im Freien und ein Geräusch und Getrampel wie von einem ländlichen Tanze. Hierauf pochte es heftig an die Hüttentüre, und gleichzeitig traten mehrere unheimliche Gestalten, von denen einige noch Geigen in der Hand hielten, in die Hütte herein und trafen Vorkehrungen, als ob sie sennen wollten.
Bald aber rief einer dieser gespenstigen Sennen: “Es ist nit suber in dr Hüttä; i gschmöggä Minschäbluot!” Der “Baschi” hatte sich schon vorher im Bettheu versteckt; er zitterte wie ein Espenlaub und schwitzte vor Angst, blieb aber unterdessen mäuschenstill. Der Geist hob nochmals an: “Där, wo uf der Tril lit, söll ahä chu und mit Wohrheit sägä, was er do ztuä heb; es ward em dinn nüt Leids gschieh!” Nun erhob sich der “Baschi” von seinem Lager und stotterte heraus.- “Ich bi nu an armä Zwingnagel, und üsärä Senn hat mi gnötiget, no in dr Nacht vu do si Mälchstuohl z’ holä.”
Hierauf sagte der Geist ganz freundlich zu ihm, weil er die Wahrheit gesprochen habe, so könne er nun eine Kunst lernen, welche er sich nur wünsche. Ermutigt gab der “Baschi” den Wunsch zu erkennen, so schön geigen zu lernen, wie er es soeben gehört habe. Alsobald erhielt er eine prächtige, neue Geige, auf welcher er unter Anleitung und Begleitung der andern Spielleute bis nach Mitternacht sich so hurtig üben musste, daß ihm dabei fast schwindlig wurde. Da hieß es plötzlich: “Halt!” Und der ganze Spuk war verschwunden. Der “Baschi” befand sich wieder allein; aber die Geige war ihm geblieben.
In der Frühe des Morgens nahm er sie unter den Arm, hängte den Melkstuhl an die Schulter und kam dann gerade zum “Stofel” zurück, als die Alpknechte mit Melken beginnen wollten.
Der Senn rief ihm entgegen: “Chunnst indli ämol, du glampätä Hösi!” Um diesen zu befänftigen, fing der “Baschi” zu geigen an. Das setzte aber keinen geringen Spektakel ab. Kühe und Kälber, Schafe und Schweine, alles, was Leben hatte, begann zu tanzen wie rasend und tanzte fort, solange die Geige ertönte.
Erst als der Senn kaum mehr zu schnaufen vermochte und mit dringendem Bitten Ruhe verlangte, hörte der “Baschi” auf und eröffnete, wie er diese Kunst übernacht von einigen Männern in der Obersasshütle erlernt und die Geige als Geschenk erhalten habe.
In der Meinung, gewiss auch noch etwas Rechtes erlernen und erwerben zu können, eilte dann der Senn am nächsten Abend ebenfalls in die Obersässhütte hinauf, kehrte aber nimmer zurück, und als man ihn aufsuchte, fand man dessen Körper in viele Stücke zerrissen und an den “Gepsenlatten” aufgehängt.
J. Natsch.
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