457. The Countess Ida of Toggenburg / Die Gräfin Ida von Toggenburg

Above Gähwil one finds the ruins of the old Toggenburg. Folklore tells of a Count Heinrich who is said to have lived here in the 12th century. He was a grim, irascible man. But his wife, Countess Ida, was a kind-hearted woman, loved by all the people. One day she laid her jewellery in the sun by the window. A raven flew in and stole the most beautiful ring that the count had once given her. A hunter was hunting in the thicket of the forest at the same hour, saw the raven fly over, climbed to its nest and found the ring inside without recognising it.

Foolishly, he put it on his own finger as a legitimate find and attracted the attention of the servants in the castle. Soon the rumour spread that the countess was unfaithful to her husband; she had given the ring to the hunter boy.

When the count heard this, he was furious, rushed to the woman’s room and threw her through the open window into the gruesome abyss. The hunter also protested his innocence in vain; Heinrich had him tied to the tail of the wildest steed and dragged to death.

A good angel stopped the countess in her fall, so that she was not harmed. She sought a quiet hiding place in the forest and lived there for many years until she was finally discovered by one of her husband’s servants. The count hurried over, heard of his wife’s innocence, kneeled down and begged her forgiveness and invited her to come to the castle with him. The pious woman forgave him, but declared that she would never again leave the forest where God had been visibly close to her. She spent the rest of her life in prayer in a small hut. She also attended daily church services in Fischingen, where a tame stag accompanied her. Her stone tomb is still on display in the monastery church there.


  1. Die Gräfin Ida von Toggenburg.

Oberhalb Gähwil findet man die Trümmer der alten Toggenburg. Der Volksmund erzählt von einem Grafen Heinrich, der im 12. Jahrhundert hier gelebt haben soll. Dieser war ein finsterer, jähzorniger Mann. Seine Gemahlin aber, die Gräfin Ida, war eine herzensgute Frau, von allem Volke geliebt. Eines Tages legte sie ihre Schmucksachen am Fenster in die Sonne. Da kam ein Rabe hergeflogen und entwendete ihr den schönsten Ring, den ihr der Graf einst geschenkt hatte. Ein Jäger jagte zur gleichen Stunde im Dickicht des Waldes, sah den Raben herbeifliegen, kletterte nach dessen Nest und fand darin den Ring, ohne ihn zu erkennen.

Törichterweise steckte er ihn als einen rechtmässigen Fund an seinen eigenen Finger und erregte damit die Aufmerksamkeit der Dienerschaft im Schloss. Bald ging das Gerücht, die Gräfin sei ihrem Gatten untreu; sie habe den Ring dem Jägerburschen geschenkt.

Als der Graf dieses hörte, ward er ausser sich vor Zorn, eilte auf das Zimmer der Frau und warf sie durch das offene Fenster in den grausigen Abgrund hinunter. Auch der Jäger beteuerte seine Unschuld umsonst; Heinrich ließ ihn dem wildesten Rosse an den Schweif binden und zu Tode schleifen.

Ein guter Engel hielt die Gräfin im Sturze auf, so dass sie keinen Schaden nahm. Sie suchte sich im Walde ein stilles Versteck und lebte da viele Jahre lang, bis sie endlich durch einen Knecht ihres Gemahls entdeckt wurde. Der Graf eilte herbei, hörte von der Unschuld seiner Gattin, bat sie kniefällig um Verzeihung und lud sie ein, mit aufs Schloss zu kommen. Die fromme Frau verzieh ihm zwar, erklärte aber, dass sie den Wald nicht mehr verlasse, in dem Gott ihr sichtbarlich nahe gewesen sei. In einer kleinen Hütte verbrachte sie die übrige Zeit ihres Lebens im Gebet. Auch besuchte sie täglich den Gottesdienst in Fischingen, wohin ein zahmer Hirsch sie begleitete. In der dortigen Klosterkirche wird ihr steinernes Grabmal noch heute gezeigt.

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