Once upon a time, the noble Count Wilhelm lived in Wartau Castle, mild towards his subjects and friendly towards his own. But the younger brother, who came home from distant wars and lusted after the possession of the countess and the beautiful dominion, disturbed the peace. He was a wicked, daring man. During a hunt he killed his brother, pretending that a wild boar had killed him. Without regard for law and good manners, he then immediately took everything that had belonged to the count.
But when he went hunting again and rode past the place where he had killed his brother, he was fatally struck by lightning. After three years, three beech trees with red leaves grew there, and every year on the day of the count’s death, drops of blood hung from their leaves instead of dew drops. These beech trees have long since disappeared and the proud walls of the castle have been broken down; but if at certain times of the year, at a certain hour of the night, the wanderer directs his gaze attentively towards the area of the former castle, he will see a little light floating across the ground from the ruins, away over the hills and the valleys, and he will see it extinguished where the unfortunate count found his death.
U. Adank
Der Brudermord
Einst lebte auf der Burg Wartau der edle Graf Wilhelm, mild gegen die Untertanen und freundlich mit den Seinen. Aber der jüngere Bruder, der aus fernen Kriegen heimkam und nach dem Besitze der Gräfin und der schönen Herrschaft gelüstete, störte den Frieden. Er war ein schlimmer, verwegener Mann. Auf einer Jagd erschlug er seinen Bruder und gab vor, ein wildes Schwein habe ihn getötet. Ohne auf Recht und gute Sitte zu achten, eignete er sich dann gleich alles an, was dem Grafen gehört hatte.
Aber als er einmal wieder auf die Jagd ging und an der Stelle vorbeiritt, wo er seinen Bruder ermordet hatte, traf ihn der tödliche Blitzschlag. Nach drei Jahren wuchsen daselbst drei Buchen mit rotem Laube, und alle Jahre am Todestage des Grafen hingen an deren Blättern statt der Tautropfen Tropfen von Blut. Diese Buches jetzt schon lange verschwunden und die stolzen Mauern der Burg gebrochen; aber wenn der Wanderer zu gewissen Zeiten des Jahres in gewisser Stunde der Nacht seine Blicke aufmerksam nach der Gegend des einstigen Schlosses richtet, steht er von der Ruine ans ein Lichtlein über den Boden hinschweben, fort über die Hügel und die Tälchen, und er sieht es erlöschen, wo der unglückliche Graf Tod gefunden.

